Wie präsent sind Schweizer Städte und Gemeinden in den sozialen Medien? Dieser Frage ist das Beratungsunternehmen Gromann Partner in einer aktuellen Studie zum zweiten Mal nachgegangen – und hat dafür alle 2’131 Gemeinden der Schweiz untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Während die Nutzung langsam zunimmt, bleiben große Potenziale ungenutzt. Besonders auffällig sind regionale Unterschiede und ein klarer Nachholbedarf in der Deutschschweiz.
Social Media überholt Print – doch Gemeinden bleiben zurückhaltend
Laut dem Medienmonitor 2024 haben soziale Netzwerke in der Schweiz inzwischen mehr Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung als Printmedien. Zwei Drittel der Bevölkerung sind mehrmals täglich auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder LinkedIn aktiv. Doch nur rund 36,6 Prozent der Gemeinden unterhalten überhaupt ein Social-Media-Profil – mit stark variierenden Werten zwischen den Sprachregionen. Besonders aktiv zeigen sich Gemeinden in der Westschweiz und im Kanton Neuenburg, wo über Facebook mehr als die Hälfte der Bevölkerung erreicht wird. Dort orientiert man sich offensichtlich stärker an französischen Vorbildern, die Social Media als selbstverständliches Kommunikationsmittel nutzen.
Instagram wächst, Facebook stagniert, LinkedIn überrascht
Die Plattformen entwickeln sich unterschiedlich:
- Facebook bleibt zwar der grösste Kanal, verzeichnet aber das geringste Wachstum – rund 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (plus 79’000 Follower). Der „Röstigraben“ zwischen den Sprachregionen vertieft sich hier weiter: Die Westschweiz, das Tessin und die rätoromanische Schweiz verzeichnen drei- bis viermal mehr Follower pro 1’000 Einwohner als die Deutschschweiz.
- Instagram hingegen boomt mit einem Zuwachs von 137’000 Followern (plus 30 Prozent). Die Zahl der aktiven Gemeinden hat in der Deutschschweiz erstmals die der anderen Regionen übertroffen – bei den Followerzahlen hinkt sie jedoch weiter hinterher.
- LinkedIn holt auf: Die Zahl der Follower wuchs um 50 Prozent (plus 110’000). Auch hier liegt die Deutschschweiz im Mittelfeld, während das Tessin und die rätoromanische Schweiz LinkedIn kaum nutzen.
Kommunikation als strategische Aufgabe
Die Studienautoren betonen, dass Social Media angesichts der Herausforderungen wie Digitalisierung, Fachkräftemangel und zunehmender Politikverdrossenheit eine zentrale Rolle für die öffentliche Verwaltung spiele. Wer als Gemeinde sichtbar bleiben will, müsse nicht nur präsent sein, sondern auch konstant relevanten und ansprechenden Content liefern. Nur so lasse sich die Zahl der Follower steigern – und damit die eigene Reichweite und Wirkung.
Fazit und Ausblick
Die Nutzung sozialer Medien durch Schweizer Gemeinden nimmt zu – wenn auch zögerlich. Das Wachstumspotenzial ist groß, die Unterschiede zwischen den Regionen teils eklatant. Die nächste Erhebung wird zeigen, ob sich dieser Trend fortsetzt – und ob mehr Gemeinden den Schritt zur aktiven digitalen Kommunikation wagen.