Der Länderbericht des Digital News Report 2025 liefert einen differenzierten Einblick in das Mediennutzungsverhalten der Schweizer Bevölkerung. Die jährlich erscheinende Studie des Reuters Institute untersucht in 48 Ländern die Nutzung digitaler Nachrichten. Für die Schweiz zeigt sich: Das Interesse an lokalem Geschehen ist nach wie vor hoch – doch nicht in allen Bereichen gleich stark.
Rund die Hälfte der Befragten zeigt ein ausgeprägtes Interesse an lokalen und regionalen Nachrichten – ein bemerkenswerter Befund in einem föderalistisch organisierten, direktdemokratischen Land. Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Diskrepanz: Nur ein Drittel aller Befragten konsumiert gezielt Nachrichten über lokale Politik. Deutlich beliebter sind hingegen Meldungen zu aktuellen Ereignissen wie Unfällen oder Verbrechen.
«News Avoider» auf dem Vormarsch
Auffällig ist auch die wachsende Zahl derjenigen, die Nachrichten bewusst meiden. 39 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer geben an, manchmal oder häufig News zu vermeiden – ein Anstieg um rund sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Als Hauptgründe nennen vier von zehn sogenannten «News Avoidern», dass Medien «zu viel» über emotional belastende Themen wie Kriege und Konflikte berichten, dass die Nachrichten die eigene Stimmung negativ beeinflussen oder dass sie sich durch die Informationsflut überfordert fühlen.
Vertrauen in etablierte Medienmarken
Trotz dieser Tendenzen bleiben professionelle Medienangebote wichtige Orientierungspunkte. Wenn es darum geht, die Richtigkeit von Informationen zu überprüfen, verlassen sich viele Menschen auf etablierte Nachrichtenquellen und offizielle Stellen. Besonders häufig genannt werden dabei SRF und RTS, gefolgt von Titeln wie der Neuen Zürcher Zeitung, 20 Minuten und 20 minutes. Diese Medien erfüllen laut Bericht zentrale Funktionen der Einordnung und Faktenüberprüfung.
Medienkompetenz als Schlüssel zur Zahlungsbereitschaft
Ein weiterer Befund der Studie betrifft die Rolle der Medienkompetenz. Personen, die eine Schulung oder Ausbildung im Umgang mit Nachrichten erhalten haben, zeigen nicht nur ein grösseres Interesse an Journalismus, sondern sind auch eher bereit, für Online-News zu bezahlen. In der Altersgruppe der unter 35-Jährigen liegt die Zahlungsbereitschaft bei 51 Prozent unter jenen mit Schulung – gegenüber lediglich 21 Prozent bei jenen ohne.
Die Autor:innen des Berichts kommen zum Schluss, dass die Förderung von Medienkompetenz eine wirkungsvolle Strategie sein könnte, um Vertrauen in den Journalismus zu stärken und dessen wirtschaftliche Basis zu sichern.
foeg.uzh.ch, foeg.uzh.ch (Schweizer Länderbericht, PDF)